Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Entgegen der verbreiteten Annahme liegt die größte Gefahr des digitalen Autoschlüssels nicht im „Hacking“, sondern im Unwissen über die verwendete Technologie.

  • Die Sicherheit hängt entscheidend vom Übertragungsprotokoll ab: Ultra-Wideband (UWB) bietet einen robusten Schutz gegen Relay-Angriffe, während ältere Systeme anfälliger sein können.
  • Peripherie-Funktionen wie intelligentes Laden und ticketloses Parken erweitern das digitale Ökosystem Ihres Autos und erfordern eine bewusste Konfiguration für Sicherheit und Langlebigkeit.

Empfehlung: Setzen Sie auf Fahrzeuge mit UWB-Technologie und pflegen Sie eine gute „Konfigurationshygiene“ bei allen verbundenen Apps, um Risiken aktiv zu managen, anstatt die Technologie zu meiden.

Die Vorstellung, das Haus ohne klobigen Autoschlüssel zu verlassen und das Fahrzeug nur mit dem Smartphone zu öffnen, ist für viele Autofahrer der Inbegriff modernen Komforts. Immer mehr Hersteller wie BMW, Hyundai oder Mercedes-Benz integrieren diese Funktion und verwandeln das Handy in eine digitale Kommandozentrale. Doch mit dem Komfort wächst die Sorge: Was, wenn der Akku leer ist? Können Diebe das Signal abfangen und mein Auto stehlen? Diese Bedenken sind legitim und werden oft in Diskussionen über die allgemeine Sicherheit von „Keyless-Go“-Systemen geäußert.

Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf simple Verhaltensregeln, ohne die technologischen Grundlagen zu beleuchten. Doch die wahre Sicherheit liegt nicht in der Vermeidung der Technologie, sondern im Verständnis ihrer Funktionsweise. Die entscheidende Frage ist nicht *ob* ein digitaler Schlüssel sicher ist, sondern *welche Technologie* ihn sicher macht. Ein System, das auf Ultra-Wideband (UWB) basiert, bietet eine fundamental andere Sicherheitsarchitektur als eines, das nur Bluetooth oder NFC nutzt. Es geht um das Verständnis der Protokoll-Sicherheit und der potenziellen Schwachstellen im gesamten digitalen Ökosystem des Fahrzeugs – von der Lade-App bis zur Verbindung mit der Smartwatch.

Dieser Artikel führt Sie als Kfz-Sicherheitsexperte mit IT-Fokus durch die entscheidenden technologischen Aspekte. Wir analysieren die realen Risikovektoren wie Relay-Angriffe, bewerten die verschiedenen Übertragungsstandards und zeigen Ihnen, wie Sie durch korrekte Konfiguration und informiertes Handeln die Kontrolle über die Sicherheit Ihres Fahrzeugs behalten. Denn die Zukunft der Mobilität ist digital, und wer die Regeln kennt, fährt am sichersten.

Um Ihnen einen umfassenden Überblick zu geben, haben wir diesen Artikel in spezifische Themenbereiche unterteilt. Jeder Abschnitt beantwortet eine zentrale Frage rund um die Nutzung des Smartphones als Teil Ihres automobilen Alltags.

Funktioniert der digitale Schlüssel auch, wenn der Handy-Akku leer ist?

Eine der größten Sorgen von Nutzern digitaler Autoschlüssel ist der Ausfall durch einen leeren Smartphone-Akku. Die Vorstellung, vor dem eigenen Auto zu stehen und nicht mehr hineinzukommen, ist ein starkes Argument für den klassischen Funkschlüssel. Moderne Systeme haben dieses Problem jedoch technologisch gelöst. Die meisten digitalen Schlüssel nutzen eine Kombination aus aktiven (Bluetooth, UWB) und passiven Technologien wie NFC (Near Field Communication). Letztere ist der entscheidende Faktor für den Notfall.

Wenn der Akku Ihres Smartphones so weit entladen ist, dass das Betriebssystem herunterfährt, schaltet das Gerät in einen speziellen „Expressmodus“ oder eine Energiereserve. In diesem Zustand kann der NFC-Chip noch für eine begrenzte Zeit mit minimaler Energie versorgt werden. Sie müssen das Smartphone dann wie eine Kreditkarte direkt an den Türgriff halten, um das Fahrzeug zu entriegeln. Eine Studie bestätigt, dass dieser Modus bis zu 5 Stunden nach dem Herunterfahren des Handys funktionieren kann. Dies bietet ein ausreichendes Zeitfenster, um das Fahrzeug zu öffnen und zu starten.

Diese Funktion ist jedoch hersteller- und geräteabhängig. Es ist entscheidend, dass Sie sich vorab informieren, ob Ihr spezifisches Smartphone-Modell und Ihr Fahrzeughersteller diesen passiven NFC-Modus unterstützen. Die Einrichtung erfolgt in der Regel einmalig über die App des Herstellers und stellt sicher, dass Sie selbst im „Worst-Case-Szenario“ nicht ausgesperrt sind. Die Sicherheit bleibt dabei gewahrt, da die NFC-Kommunikation nur über wenige Zentimeter funktioniert und eine physische Annäherung erfordert, was ein Abfangen des Signals extrem erschwert.

Wie Apps den Ladevorgang steuern, um den Akku Ihres Autos zu schonen?

Das Smartphone dient nicht nur als Türöffner, sondern wird zunehmend zur zentralen Schnittstelle für das gesamte Energiemanagement von Elektrofahrzeugen. Intelligente Lade-Apps der Hersteller ermöglichen eine präzise Steuerung, die weit über das simple Ein- und Ausstecken des Kabels hinausgeht. Ihr Hauptzweck ist es, die Gesundheit der Fahrzeugbatterie langfristig zu erhalten und die Ladekosten zu optimieren. Eine der wichtigsten Funktionen ist die Begrenzung des Ladezustands (State of Charge, SoC).

Für den täglichen Gebrauch wird empfohlen, den Akku nur bis zu 80 % aufzuladen. Dauerhaftes Laden auf 100 % setzt die Batteriezellen unter hohe Spannung und beschleunigt deren Degradation. Über die App können Sie dieses Ladelimit bequem einstellen. Gleichzeitig ermöglichen die Apps die Planung von Ladezeitfenstern. So können Sie den Ladevorgang gezielt in die Nachtstunden verlegen, um von günstigeren Nachtstromtarifen zu profitieren. Das Fahrzeug beginnt dann automatisch zur vordefinierten Zeit mit dem Laden und stoppt beim Erreichen der 80-%-Grenze.

Ein weiteres intelligentes Feature ist die Vorkonditionierung. Sie können über die App eine Abfahrtszeit festlegen. Das Fahrzeug nutzt dann die Energie aus dem Stromnetz, um den Innenraum und die Batterie auf die optimale Betriebstemperatur zu bringen, bevor Sie losfahren. Das schont den Akku während der Fahrt, da weniger Energie für das Heizen oder Kühlen benötigt wird, und maximiert so die Reichweite. Diese intelligenten Steuerungsmechanismen sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Elektromobilität und tragen maßgeblich zur Langlebigkeit und Effizienz des teuersten Bauteils bei: der Batterie.

Elektrofahrzeug beim intelligenten Ladevorgang mit App-Steuerung

Die visuelle Darstellung zeigt, wie der Datenfluss zwischen App, Ladestation und Fahrzeug ein optimiertes und schonendes Laden ermöglicht. Diese Vernetzung ist der Schlüssel zu einem nachhaltigen Betrieb Ihres Elektroautos.

Welche App öffnet die Schranke im Parkhaus automatisch ohne Ticket?

Der Komfort des digitalen Ökosystems rund ums Auto endet nicht an der Parkhausschranke. Sogenannte „On-Street“- und „Off-Street“-Parking-Apps eliminieren die Notwendigkeit, ein Papierticket zu ziehen und am Automaten zu bezahlen. In Deutschland haben sich mehrere Anbieter etabliert, die das Parken nahtlos in den digitalen Alltag integrieren. Die Funktionsweise basiert meist auf automatischer Kennzeichenerkennung oder einer im Fahrzeug integrierten Lösung.

Bei Systemen mit Kennzeichenerkennung, wie sie von Anbietern wie EasyPark in vielen APCOA- oder Contipark-Parkhäusern genutzt werden, registrieren Kameras beim Ein- und Ausfahren Ihr Nummernschild. Die Schranke öffnet sich automatisch, und die Parkgebühr wird direkt über die in der App hinterlegte Zahlungsmethode abgerechnet. Eine manuelle Interaktion ist nicht mehr nötig. Andere Dienste wie PayByPhone oder herstellereigene Lösungen wie Mercedes Pay setzen auf eine tiefere Integration mit dem Fahrzeug oder der Smartphone-App, um den Parkvorgang zu starten und zu beenden.

Diese Bequemlichkeit wirft bei sicherheitsbewussten Nutzern jedoch Fragen zum Datenschutz auf. Welche Daten werden erfasst und wie lange gespeichert? Gemäß der DSGVO müssen Anbieter in Deutschland strenge Regeln befolgen. Personenbezogene Daten wie Kennzeichen und Parkzeiten dürfen nur für den Zweck der Abrechnung verwendet und müssen nach einer bestimmten Frist (oft 3 Jahre, gesetzlich maximal 10) gelöscht werden. Die Weitergabe an Dritte erfolgt in der Regel nur in anonymisierter Form für Statistiken zur Parkraumauslastung. Die Wahl der richtigen App hängt stark von der Abdeckung in Ihrer Region und den von Ihnen genutzten Parkhäusern ab.

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über einige der führenden Anbieter in Deutschland, wie von Fachportalen analysiert und verglichen wird, beispielsweise in Berichten auf Plattformen wie saturn.de.

Vergleich der Parkhaus-Apps in Deutschland
App-Anbieter Abdeckung Partner Besonderheiten
EasyPark Deutschlandweit APCOA, Contipark Automatische Kennzeichenerkennung
PayByPhone Großstädte Q-Park Integration in Fahrzeug-Apps
Mercedes Pay Ausgewählte Städte Premium-Parkhäuser Direkte Fahrzeugintegration

Können Diebe das Signal Ihres Handys verlängern, um das Auto zu stehlen?

Dies ist die Kernfrage der Sicherheit und zielt auf eine spezifische Angriffsmethode ab: den Relay-Angriff (oder Relais-Attacke). Bei dieser Methode fangen Diebe das Signal eines herkömmlichen Funkschlüssels mit einem Gerät ab, während sich der Besitzer beispielsweise im Haus befindet. Ein zweiter Komplize mit einem Empfänger am Auto „verlängert“ dieses Signal, wodurch dem Fahrzeug vorgegaukelt wird, der Schlüssel sei in unmittelbarer Nähe. Das Auto lässt sich öffnen und starten. Diese Schwachstelle ist ein bekanntes Problem bei vielen Keyless-Go-Systemen, die auf reiner Signalstärke (RSSI) basieren.

Das Bundeskriminalamt warnt regelmäßig vor dieser Methode, die bei professionellen Diebesbanden weit verbreitet ist. In seinem Lagebild zur Kfz-Kriminalität betont das BKA:

Auch die Ausnutzung des „Keyless-Go“-Systems spielt bei Autodiebstählen nach wie vor eine große Rolle. Das nachfolgende Überwachungsvideo zeigt einen solchen Diebstahl, der weniger als eine Minute dauern kann.

– Bundeskriminalamt, BKA-Lagebild Kfz-Kriminalität 2024

Die technologische Antwort auf diese Bedrohung ist die Ultra-Wideband-Technologie (UWB). Anders als ältere Systeme misst UWB nicht nur die Stärke des Signals, sondern auch dessen Laufzeit (Time-of-Flight). Das System berechnet also präzise, wie lange das Funksignal vom Smartphone zum Auto benötigt. Ein künstlich verlängertes Signal durch einen Relay-Angriff hätte eine messbar längere Laufzeit. Erkennt das Fahrzeug diese Latenz, verweigert es den Zugang. UWB bietet somit eine robuste und physikalisch begründete Sicherheit gegen Signalverlängerungen.

UWB-Technologie schützt vor Relay-Angriffen

Wenn Sie also die Sicherheit eines digitalen Schlüssels bewerten, ist die entscheidende Frage, ob er UWB unterstützt. Hersteller wie BMW mit dem „Digital Key Plus“ oder Hyundai setzen bereits auf diese Technologie. Ein digitaler Schlüssel, der ausschließlich auf Bluetooth Low Energy ohne UWB basiert, bietet diesen spezifischen Schutz nicht und ist potenziell anfälliger für Relay-Angriffe, ähnlich wie klassische Funkschlüssel.

Wann ersetzt das Handy endlich alle Fahrkarten in ganz Deutschland automatisch?

Die Vision ist verlockend: Man steigt in Bus, Bahn oder S-Bahn, und das Smartphone erkennt automatisch die Fahrt, bucht das richtige Ticket und rechnet am Ende des Tages den günstigsten Tarif ab. Kein Wühlen nach Kleingeld, kein Navigieren durch unzählige Tarifzonen-Apps. Technologisch ist das über „Check-in/Be-out“-Systeme (CiBo) längst machbar. Doch die Realität in Deutschland ist komplexer und zeigt die Herausforderungen der digitalen Integration im föderalen System.

Das beste Beispiel für diese Hürden ist das Deutschlandticket. Obwohl es bundesweit gültig ist, wird es von unzähligen verschiedenen Verkehrsverbünden mit jeweils eigenen Apps und Backend-Systemen vertrieben. Eine einheitliche, deutschlandweite App, die eine automatische Ticketerfassung über alle Verkehrsverbünde hinweg ermöglicht, existiert nicht. Jeder Verbund kocht sein eigenes „digitales Süppchen“.

Fallbeispiel: Das Deutschlandticket als digitaler Vorreiter und Hürdenlauf

Das 49-Euro-Ticket zeigt eindrucksvoll die Herausforderungen der digitalen Integration in Deutschland. Trotz seiner bundesweiten Gültigkeit wird der Verkauf und die Verwaltung von den einzelnen Verkehrsverbünden dezentral organisiert. Das führt dazu, dass es keine zentrale technische Plattform für alle Nutzer gibt. Eine App, die in Hamburg funktioniert, muss nicht zwangsläufig die spezifischen CiBo-Anforderungen des Münchner Verkehrsverbunds erfüllen. Diese Fragmentierung der Systemlandschaft verhindert eine schnelle, einheitliche und automatische Lösung für alle Fahrgäste und macht das Smartphone eher zu einer Brieftasche für viele verschiedene digitale Tickets als zu einem einzigen intelligenten Fahrschein.

Bis das Smartphone also wirklich alle Fahrkarten automatisch ersetzt, müssen nicht nur technologische, sondern vor allem organisatorische und politische Hürden überwunden werden. Es bedarf einer stärkeren Standardisierung der Schnittstellen zwischen den Verkehrsverbünden und einer politischen Entscheidung für eine zentrale, nutzerfreundliche Plattform. Bis dahin bleibt das Handy eine nützliche, aber noch nicht vollends intelligente Alternative zur physischen Fahrkarte.

Der Fehler beim Laden, der Ihren fest verbauten Akku nach 18 Monaten tötet

Während viele Nutzer Sicherheitsrisiken durch Hacker fürchten, geht eine der größten Gefahren für das Smartphone als Autoschlüssel von einem ganz alltäglichen Vorgang aus: dem falschen Laden. Ein Defekt des Handy-Akkus ist nicht nur ärgerlich, sondern kann den Zugang zum Fahrzeug komplett blockieren, falls die NFC-Notfallfunktion versagt. Ein häufiger und fataler Fehler ist das Laden eines eiskalten Akkus mit einem Schnellladegerät.

Lithium-Ionen-Akkus reagieren extrem empfindlich auf Temperaturen. Wird ein Akku bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt geladen, kann es zu einem Phänomen namens „Lithium-Plating“ kommen. Dabei lagert sich metallisches Lithium an der Anode ab, anstatt sich in die Graphitstruktur einzulagern. Dieser Prozess ist irreversibel und führt zu einem dauerhaften Kapazitätsverlust und einem erhöhten Innenwiderstand. Im schlimmsten Fall kann es zu internen Kurzschlüssen kommen, die den Akku zerstören.

Die Gefahr ist im Winter besonders hoch: Man lässt das Handy über Nacht im kalten Auto liegen, steigt morgens ein und schließt es sofort an das Schnellladegerät an. Dieser Thermoschock ist Gift für den Akku.

Ein Nutzer aus München berichtet: ‚Nach nur 14 Monaten war mein iPhone-Akku hinüber, weil ich es regelmäßig im Winter aus dem kalten Auto direkt ans Schnellladegerät gehängt habe. Der Apple Store bestätigte thermische Schäden durch Laden bei Minusgraden.‘

– Nutzerbericht, zitiert nach Branchenmagazinen

Lassen Sie Ihr Smartphone nach starker Kälteeinwirkung erst einige Minuten bei Raumtemperatur aufwärmen, bevor Sie es laden. Moderne Smartphones haben zwar Schutzmechanismen, die den Ladestrom bei Kälte reduzieren, doch bei wiederholter falscher Handhabung können kumulative Schäden entstehen. Sollte der Akku dennoch vorzeitig altern, ist es gut zu wissen: In Deutschland haben Verbraucher 2 Jahre gesetzliche Gewährleistung auf ihr Gerät, die auch eine ungewöhnlich schnelle Akkudegradation abdecken kann.

Wie Sie instabile LE-Verbindungen stabilisieren, wenn die Smartwatch immer „Disconnected“ zeigt?

Eine instabile Bluetooth Low Energy (LE) Verbindung ist mehr als nur ärgerlich. Wenn der digitale Schlüssel oder die Smartwatch ständig die Verbindung zum Fahrzeug verliert, leidet nicht nur der Komfort, sondern auch die Zuverlässigkeit. Die Ursachen für diese „Disconnected“-Meldungen sind oft im Software- und Umgebungsmanagement des Smartphones zu finden. Aggressive Akku-Optimierungsmechanismen moderner Betriebssysteme sind eine der Hauptursachen.

Android und iOS versuchen, den Energieverbrauch zu minimieren, indem sie Hintergrundprozesse von Apps beenden. Wenn die App Ihres Fahrzeugherstellers davon betroffen ist, wird die permanente Bluetooth-Kommunikation unterbrochen. Die Lösung besteht darin, für die spezifische Fahrzeug-App eine Ausnahme in den Akku-Einstellungen festzulegen („Nicht optimieren“). Eine weitere häufige Fehlerquelle sind veraltete Verbindungsinformationen im Bluetooth-Cache des Telefons. Das Leeren dieses Caches kann oft „magische“ Wirkungen haben und hartnäckige Verbindungsprobleme lösen.

Nicht zu unterschätzen sind auch Funk-Interferenzen. Das 2,4-GHz-Band, das von Bluetooth genutzt wird, ist stark frequentiert. WLAN-Router, DECT-Telefone, Mikrowellen und sogar andere Bluetooth-Geräte können das Signal stören. Wenn Sie zu Hause Probleme haben, versuchen Sie, Ihren WLAN-Router (z.B. eine Fritz!Box) auf das 5-GHz-Band umzustellen und DECT-Telefone in sicherem Abstand zum Smartphone zu platzieren. Manchmal sind es auch fehlende Berechtigungen, die Probleme verursachen: Die Fahrzeug-App benötigt oft eine permanente Standortfreigabe („Immer erlaubt“), um auch im Hintergrund zuverlässig nach dem Fahrzeug suchen zu können.

Ihr Aktionsplan: Bluetooth-LE-Verbindungen stabilisieren

  1. Akku-Optimierung prüfen: Deaktivieren Sie die Akku-Optimierung für die Fahrzeug-App (z.B. unter Android: Einstellungen > Apps > [Ihre Fahrzeug-App] > Akku > Nicht optimieren).
  2. Bluetooth-Cache leeren: Löschen Sie den Zwischenspeicher des Bluetooth-Dienstes (z.B. unter Android: Einstellungen > Apps > Systemanwendungen anzeigen > Bluetooth > Speicher > Cache leeren).
  3. Interferenzen minimieren: Stellen Sie Ihr Heim-WLAN, wenn möglich, auf das 5-GHz-Band um, um das überfüllte 2,4-GHz-Band zu meiden.
  4. Abstand halten: Platzieren Sie andere starke Funkquellen wie DECT-Telefone oder Mikrowellen nicht in unmittelbarer Nähe Ihres Smartphones und des Fahrzeugs.
  5. Berechtigungen validieren: Stellen Sie sicher, dass die Fahrzeug-App die Berechtigung hat, „immer“ auf den Standort zuzugreifen, um auch im Hintergrund zuverlässig zu funktionieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die sicherste Technologie für digitale Autoschlüssel ist Ultra-Wideband (UWB), da sie Relay-Angriffe durch Laufzeitmessung effektiv verhindert.
  • Die Lebensdauer der Akkus von E-Autos und Smartphones wird maßgeblich durch intelligentes, temperaturgesteuertes Laden und das Vermeiden permanenter Vollladung beeinflusst.
  • Stabile Bluetooth-Verbindungen erfordern eine korrekte Konfiguration der Smartphone-Einstellungen (Akku-Optimierung, Berechtigungen) und die Minimierung von Funk-Interferenzen.

Bluetooth LE oder Classic: Was saugt Ihren Akku in 2 Stunden leer und was hält Wochen?

Die Begriffe Bluetooth „Classic“ und Bluetooth „Low Energy“ (LE oder BLE) werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber zwei fundamental unterschiedliche Technologien mit drastisch abweichendem Energieverbrauch. Das Verständnis dieses Unterschieds ist entscheidend, um zu bewerten, warum ein digitaler Autoschlüssel den Handy-Akku kaum belastet, während Audio-Streaming ihn schnell leert.

Bluetooth Classic wurde für kontinuierliche, datenintensive Verbindungen entwickelt. Es ist die Technologie hinter Ihren Kopfhörern oder der Freisprechanlage im Auto. Es bietet eine hohe Datenrate, die für das Streamen von Musik oder für Telefongespräche notwendig ist. Dieser permanente Datenstrom erfordert jedoch viel Energie und würde den Akku eines Smartphones bei dauerhafter Nutzung in wenigen Stunden entleeren. Für einen permanent aktiven digitalen Schlüssel ist es daher völlig ungeeignet.

Hier kommt Bluetooth Low Energy (LE) ins Spiel. Wie der Name schon sagt, wurde es für einen extrem sparsamen Betrieb konzipiert. Anstatt eines kontinuierlichen Datenstroms sendet BLE nur sehr kleine Datenpakete in langen Intervallen. Es „wacht“ quasi nur kurz auf, sendet ein „Ich bin hier“-Signal und geht sofort wieder in den Schlafmodus. Dies ist perfekt für Anwendungen wie einen digitalen Autoschlüssel, Fitness-Tracker oder Smartwatches, bei denen nur gelegentlich kleine Informationsmengen (z.B. ein Authentifizierungs-Token) ausgetauscht werden müssen. Der Energieverbrauch ist dadurch um ein Vielfaches geringer.

Die Wahl der Technologie hängt also direkt vom Anwendungsfall ab, wie dieser Vergleich verdeutlicht, der auf technischen Dokumentationen wie denen der Huf Group basiert.

Energieverbrauch Bluetooth LE vs. Classic
Technologie Verbrauch/Stunde Reichweite Verwendung im Auto
Bluetooth LE 0,01-0,5% 10-30m Digitaler Schlüssel
Bluetooth Classic 5-10% 10-100m Audio-Streaming
UWB 0,1-1% 10m präzise Sicherer Schlüssel
NFC 0% (passiv) 5cm Backup-Zugang

Fallbeispiel: BMW Digital Key Plus

Der BMW Digital Key Plus ist ein gutes Beispiel für die intelligente Kombination von Technologien. Für die sichere Ent- und Verriegelung sowie den Motorstart nutzt er eine Kombination aus UWB und Bluetooth LE. Wichtig ist dabei: Sobald der Schlüssel auf dem Smartphone installiert ist, ist keine Internetverbindung mehr erforderlich. Dies gewährleistet die volle Funktionalität auch in Tiefgaragen oder Gebieten mit schlechter Netzabdeckung und demonstriert, dass die Kernfunktion unabhängig von externer Konnektivität ausgelegt ist.

Letztendlich zeigt sich, dass der digitale Autoschlüssel mehr ist als nur eine App. Er ist ein komplexes System, dessen Sicherheit und Zuverlässigkeit von der richtigen Technologie (UWB), der sorgfältigen Konfiguration (Akku-Management, Berechtigungen) und dem Wissen des Nutzers abhängt. Indem Sie diese Zusammenhänge verstehen, verwandeln Sie eine potenzielle Schwachstelle in ein mächtiges und sicheres Werkzeug. Treffen Sie Ihre Technologie-Entscheidungen informiert und übernehmen Sie die aktive Kontrolle über das digitale Ökosystem Ihres Fahrzeugs.

Häufige Fragen zum digitalen Autoschlüssel

Wie lange werden meine Parkdaten gespeichert?

Gemäß DSGVO müssen Anbieter Daten nach spätestens 10 Jahren löschen, meist erfolgt dies jedoch nach 3 Jahren. Diese Fristen dienen der Nachvollziehbarkeit von Abrechnungen, danach müssen die Daten gelöscht oder vollständig anonymisiert werden.

Kann ich die Kennzeichenerkennung deaktivieren?

Ja, in den meisten Park-Apps können Sie in den Einstellungen wählen, ob Sie die automatische Erkennung per Kamera nutzen oder den Parkvorgang lieber manuell in der App starten und beenden möchten. Dies gibt Ihnen die volle Kontrolle über die Datenerfassung.

Welche Daten werden an Dritte weitergegeben?

Personenbezogene Daten wie Ihr Kennzeichen oder genaue Parkzeiten dürfen ohne Ihre explizite Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben werden. Lediglich anonymisierte und aggregierte Statistikdaten, beispielsweise zur allgemeinen Parkraumauslastung in einer Stadt, können zu Planungszwecken geteilt werden.

Geschrieben von Richter Dr. Jonas, Fachanwalt für IT-Recht und zertifizierter Datenschutzbeauftragter (TÜV) mit Spezialisierung auf mobile Sicherheit und DSGVO-Compliance. Er schützt digitale Identitäten und Unternehmensdaten vor Cyberkriminalität.