Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Die wahre Sicherheit Ihres Handys hängt nicht von der Wahl zwischen Gesicht oder Finger ab, sondern von der Qualität des Sensors und der Intelligenz der Software, die Täuschungsversuche abwehrt.

  • 3D-Gesichtserkennungssysteme wie Face ID sind dank Tiefenmessung und Aufmerksamkeitsprüfung klassischen 2D-Scans und den meisten Fingerabdrucksensoren im Schutz gegen Spoofing überlegen.
  • Moderne Ultraschall-Fingerabdrucksensoren bieten die höchste Alltagsresistenz, da sie auch bei Nässe oder leichten Verschmutzungen zuverlässig funktionieren.

Empfehlung: Priorisieren Sie beim Gerätekauf 3D-Gesichtserkennung oder Ultraschall-Fingerabdrucksensoren und stellen Sie sicher, dass Ihre biometrischen Daten nur lokal in einer „Secure Enclave“ verarbeitet werden.

Die Entscheidung, wie wir unser Smartphone entsperren, ist zu einem täglichen Ritual geworden. Ein kurzer Blick oder eine flüchtige Berührung – der Komfort biometrischer Verfahren ist unbestreitbar. Doch hinter dieser Bequemlichkeit lauert eine nagende Frage, die viele Nutzer umtreibt: Wie sicher ist das wirklich? Kann ein Foto meines Gesichts die Sperre umgehen? Könnte jemand einen Abdruck meines Fingers verwenden, um an meine Daten zu gelangen? Die meisten Diskussionen enden in der simplen Gegenüberstellung „Face ID gegen Touch ID“, ohne die entscheidenden Details zu beleuchten.

Die gängige Annahme ist, dass es sich um eine reine Präferenzfrage handelt. Doch als Experte, der täglich die Grenzen dieser Systeme testet, kann ich Ihnen versichern: Die Realität ist weitaus komplexer. Die Sicherheit hängt weniger von der Art des biometrischen Merkmals ab – ob Gesicht oder Finger –, sondern von der unsichtbaren Schlacht, die im Inneren Ihres Geräts tobt. Es ist ein Kampf zwischen der Qualität des Sensors, der Intelligenz der Software und den immer raffinierter werdenden Täuschungsversuchen, den sogenannten Spoofing-Vektoren.

Dieser Artikel bricht mit den oberflächlichen Vergleichen. Stattdessen sezieren wir die tatsächlichen Schwachstellen und Stärken der verschiedenen Technologien. Wir tauchen ein in die Funktionsweise der Sensoren, beleuchten die rechtlichen Fallstricke in Deutschland und zeigen Ihnen, worauf Sie wirklich achten müssen, um Ihre digitale Identität effektiv zu schützen. Es geht nicht darum, einen pauschalen Sieger zu küren, sondern darum, Ihnen das Wissen an die Hand zu geben, eine fundierte Entscheidung für Ihre Sicherheit zu treffen.

Um Ihnen eine klare Übersicht über diese entscheidenden Aspekte zu geben, haben wir diesen Artikel in spezifische Themenbereiche gegliedert. Die folgende Gliederung führt Sie durch die zentralen Fragen rund um die Sicherheit und Funktionsweise biometrischer Entsperrmethoden.

Warum ist FaceID sicherer als die 2D-Kamera-Entsperrung bei Android-Geräten?

Die Antwort liegt in der dritten Dimension und der dahinterstehenden Sensor-Intelligenz. Während eine einfache 2D-Gesichtsentsperrung, wie sie bei vielen günstigeren Android-Geräten zu finden ist, im Grunde nur ein Foto mit dem gespeicherten Bild des Nutzers vergleicht, geht Apples Face ID einen entscheidenden Schritt weiter. Dieses System projiziert Tausende unsichtbare Infrarotpunkte auf das Gesicht, um eine präzise, dreidimensionale Tiefenkarte zu erstellen. Dieser Spoofing-Vektor – also das simple Vorhalten eines Fotos – wird damit unbrauchbar.

Die Überlegenheit von Face ID manifestiert sich in den Fehlerquoten. Laut Apple liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlerkennung bei Face ID bei eins zu einer Million, während sie beim älteren Fingerabdrucksensor Touch ID bei eins zu 50.000 liegt. Dieser Unterschied ist primär auf die Komplexität der erfassten Daten zurückzuführen. Ein 3D-Modell des Gesichts enthält ungleich mehr einzigartige Merkmale als ein 2D-Fingerabdruck.

Doch die Hardware ist nur die halbe Miete. Die wahre Stärke liegt in der Software. Apple Security selbst betont die Rolle der künstlichen Intelligenz in diesem Prozess. Wie sie in ihrem Sicherheitsleitfaden erklären:

Face ID nutzt neuronale Netze zur Bestimmung von Aufmerksamkeit, Abgleich und Anti-Spoofing, sodass ein Nutzer sein Telefon mit einem Blick entsperren kann, sogar mit einer Maske bei unterstützten Geräten.

– Apple Security, Face ID and Touch ID Security Guide

Diese „Attention Awareness“ stellt sicher, dass der Nutzer das Gerät bewusst ansieht und die Augen geöffnet hat. Hochwertige 3D-Masken könnten zwar die Tiefenmessung überlisten, scheitern aber oft an dieser intelligenten Aufmerksamkeitsprüfung. Einfache Android-Systeme ohne dedizierte 3D-Sensorik können diesen Schutzlevel nicht bieten und sind daher anfälliger für Täuschungen.

Darf die Polizei Sie zwingen, Ihr Handy per Fingerabdruck zu entsperren?

Diese Frage berührt einen wunden Punkt im digitalen Zeitalter und die Antwort aus juristischer Sicht ist für viele Nutzer in Deutschland ernüchternd: Ja, unter bestimmten Umständen dürfen sie das. Dies schafft eine signifikante rechtliche Asymmetrie zwischen der Sicherung per Code und der Sicherung per Biometrie. Während Sie nicht gezwungen werden können, Ihren PIN oder Ihr Passwort preiszugeben – da dies als Aussageverweigerungsrecht (nemo tenetur se ipsum accusare) gilt –, sieht die Lage bei Ihrem Fingerabdruck anders aus.

Symbolbild zur rechtlichen Situation bei polizeilicher Smartphone-Entsperrung in Deutschland

Ihr Finger ist ein physisches Merkmal, kein Wissen. Daher behandeln Gerichte die Abnahme eines Fingerabdrucks zum Entsperren eines Handys ähnlich wie die Entnahme einer Blutprobe oder die Aufnahme von Fingerabdrücken für eine Datenbank. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Praxis in einer Entscheidung im Grunde bestätigt. In einem viel beachteten Beschluss wurde klargestellt, dass die Maßnahme im Rahmen der Verhältnismäßigkeit zulässig sein kann. Wie Medien über das Urteil berichteten, dürfen Strafverfolgungsbehörden den Finger zwangsweise auf den Smartphone-Sensor auflegen, wenn ein richterlicher Beschluss vorliegt oder Gefahr im Verzug ist.

Für den Nutzer bedeutet das konkret: Ein komplexer alphanumerischer Code bietet einen höheren rechtlichen Schutz vor staatlichem Zugriff als ein biometrisches Merkmal. Während die Entsperrung per Finger oder Gesicht im Alltag bequemer ist, stellt sie in einer Konfrontation mit Strafverfolgungsbehörden eine erhebliche Schwachstelle dar. Wer sensible Daten auf seinem Gerät speichert, sollte sich dieser rechtlichen Diskrepanz bewusst sein und im Zweifelsfall auf einen starken Code als primäre Sicherungsmethode setzen.

Warum funktioniert Ihr Fingerabdruck im Regen oder mit nassen Händen nicht?

Fast jeder kennt diese Frustration: Man kommt aus dem Regen und das Smartphone weigert sich hartnäckig, den nassen Finger zu erkennen. Der Grund für dieses Versagen liegt in der Physik der verschiedenen Sensortechnologien, die unter der Glasoberfläche Ihres Geräts verbaut sind. Die Umgebungs-Resilienz eines Sensors hängt direkt von seiner Funktionsweise ab.

Die meisten älteren oder günstigeren Smartphones verwenden kapazitive Sensoren. Diese bauen ein winziges elektrisches Feld auf. Die Rillen und Täler Ihres Fingerabdrucks verändern dieses Feld auf eine einzigartige Weise, was der Sensor misst. Wasser ist jedoch ein exzellenter elektrischer Leiter und überbrückt diese feinen Unterschiede, sodass der Sensor nur noch eine unkenntliche „glatte“ Oberfläche „sieht“. Optische Sensoren, die in vielen Mittelklasse-Geräten verbaut sind, machen im Grunde ein Foto Ihres Fingers. Hier wirken Wassertropfen wie kleine Linsen, die das Licht verzerren und das Bild unbrauchbar machen.

Die zuverlässigste Technologie unter schwierigen Bedingungen ist der Ultraschall-Sensor, wie er in High-End-Geräten von Samsung oder Google zu finden ist. Dieser sendet Schallwellen aus, die von den Hautschichten reflektiert werden und so ein detailliertes 3D-Modell des Fingerabdrucks erstellen. Diese Methode ist weitaus unempfindlicher gegenüber Wasser, Schmutz oder sogar Handcreme. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Unterschiede, wie eine aktuelle Analyse von Sensortechnologien zeigt.

Vergleich der Fingerabdruck-Sensortechnologien
Sensortyp Funktionsweise Wasserfestigkeit Typische Geräte
Kapazitiv Misst elektrische Ladungsänderungen Niedrig – Wasser stört elektrische Leitfähigkeit iPhone SE, ältere Samsung Galaxy
Optisch Fotografiert Fingerabdruck mit Licht Mittel – Wassertropfen verzerren Licht Mittelklasse Android-Geräte
Ultraschall 3D-Scan mit Schallwellen Hoch – durchdringt Wasser und Schmutz Samsung Galaxy S23, Google Pixel 7 Pro

Zusätzlich zur Hardware-Wahl setzen moderne Systeme auf adaptive KI-Algorithmen. Bei jedem erfolgreichen Scan lernt das System dazu und aktualisiert das gespeicherte Template Ihres Fingerabdrucks minimal. So kann es sich an kleine Veränderungen wie trockene Haut im Winter oder minimale Verletzungen anpassen und die Erkennungsrate auch unter nicht idealen Bedingungen schrittweise verbessern. Diese Sensor-Intelligenz kompensiert teilweise die physikalischen Nachteile der älteren Technologien.

Kann jemand Ihr Handy entsperren, während Sie schlafen oder bewusstlos sind?

Dies ist ein klassisches „Angst-Szenario“, das die Grenzen von biometrischer Sicherheit aufzeigt. Die Antwort ist ein klares „Es kommt darauf an“. Konkret hängt sie davon ab, ob Ihr Gerät nur ein Muster abgleicht oder ob es auch die Lebendigkeit und Aufmerksamkeit des Nutzers prüft. Hier trennt sich bei den Gesichtsscannern die Spreu vom Weizen.

Bei einem Fingerabdrucksensor lautet die Antwort leider: Ja. Ein Fingerabdrucksensor kann nicht feststellen, ob Sie bei Bewusstsein sind. Wenn jemand Ihren Finger auf den Sensor legt, während Sie schlafen, ohnmächtig sind oder unter dem Einfluss von K.o.-Tropfen stehen, wird das Gerät entsperrt. Das Risiko ist hier real und signifikant.

Bei der Gesichtserkennung ist das Bild differenzierter. Eine simple 2D-Kamera könnte ebenfalls überlistet werden, indem man das Handy einfach vor das Gesicht des schlafenden Besitzers hält. Systeme wie Apples Face ID haben hier jedoch eine entscheidende Schutzfunktion integriert: die bereits erwähnte „Attention Awareness“ (Aufmerksamkeitsprüfung). Standardmäßig ist diese Funktion aktiviert und sorgt dafür, dass das iPhone nur entsperrt wird, wenn Ihre Augen geöffnet sind und Sie aktiv auf den Bildschirm blicken. Das Entsperren im Schlaf ist somit ausgeschlossen. Bei deaktivierter Aufmerksamkeitsprüfung oder bei Fingerabdrucksensoren besteht das Risiko einer unbefugten Entsperrung bei bewusstlosen Personen.

Was können Sie also tun, um sich in Risikosituationen zu schützen, etwa in überfüllten Clubs oder bei nächtlichen Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln? Die effektivste Methode ist, Ihr Gerät präventiv in den Lockdown-Modus zu versetzen (meist durch mehrmaliges schnelles Drücken der Seitentaste und einer Lautstärketaste) oder es komplett auszuschalten. In beiden Fällen wird die biometrische Entsperrung deaktiviert und die Eingabe des PINs oder Passworts wird zwingend erforderlich. Dies entzieht einem potenziellen Angreifer die Möglichkeit, Ihre biometrischen Merkmale gegen Ihren Willen zu nutzen.

Werden Ihre Fingerabdrücke an Server gesendet oder bleiben sie im ‚Secure Enclave‘?

Die Angst, dass unsere intimsten biometrischen Daten auf irgendwelchen Firmenservern landen und dort gehackt oder missbraucht werden könnten, ist weit verbreitet. Glücklicherweise haben die großen Hersteller wie Apple und Google dieses Problem von Anfang an erkannt und eine technische Lösung implementiert, die das Konzept der Daten-Souveränität in den Mittelpunkt stellt: die Speicherung und Verarbeitung der Daten erfolgt ausschließlich lokal auf dem Gerät.

Ihre biometrischen Daten – sei es die 3D-Karte Ihres Gesichts oder der Scan Ihres Fingers – werden niemals als Bilddatei gespeichert. Stattdessen werden sie in eine verschlüsselte, mathematische Repräsentation umgewandelt. Diese hochsensible Datei verlässt zu keinem Zeitpunkt einen speziell gesicherten Bereich des Hauptprozessors Ihres Smartphones. Bei Apple heißt dieser Bereich „Secure Enclave“, bei Android-Geräten mit Google-Architektur „Trusted Execution Environment“ (TEE). Dieser Bereich ist ein vom Rest des Systems komplett isolierter Hochsicherheitstrakt. Selbst das Betriebssystem hat keinen direkten Zugriff darauf.

Visualisierung der lokalen Speicherung biometrischer Daten in der Secure Enclave

Wenn Sie Ihr Handy entsperren oder eine App-Anmeldung per Biometrie bestätigen, passiert Folgendes: Der neue Scan wird an die Secure Enclave geschickt. Dort findet der Abgleich statt. Die Enklave sendet dann nur ein simples „Ja“ oder „Nein“ (ein kryptografisches Token) an das Betriebssystem oder die App zurück. Die App selbst – etwa Ihre Banking-App – erhält niemals Ihre biometrischen Rohdaten. Dies ist ein Kernelement der Konformität mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Wie der Fachblog Dr. Datenschutz hervorhebt: „Die lokale, verschlüsselte Speicherung sensibler biometrischer Daten auf dem Gerät ist ein Kernelement der Konformität mit der deutschen und europäischen Datenschutz-Grundverordnung“.

Ein konkretes Beispiel sind deutsche Banking-Apps wie Sparkasse oder N26. Sie verlassen sich vollständig auf diesen Mechanismus. Weder die Bank noch Apple oder Google können auf die in der Secure Enclave gespeicherten Daten zugreifen oder sie herausgeben, da sie nur verschlüsselt auf dem Gerät des Nutzers existieren. Diese dezentrale Architektur ist der wichtigste Schutzwall für Ihre biometrischen Daten.

Wie Sie Ihre Ohren scannen, um den perfekten Surround-Sound auf dem Handy zu erhalten?

Biometrie dient nicht nur der Sicherheit, sondern zunehmend auch der Personalisierung. Ein faszinierendes Anwendungsfeld ist die Audio-Optimierung. Hersteller wie Sony oder Apple nutzen die Frontkamera von Smartphones, um die individuelle Form Ihrer Ohren zu scannen. Der Grund: Die einzigartige Anatomie Ihrer Ohrmuschel beeinflusst maßgeblich, wie Sie Schallwellen und insbesondere Raumklang wahrnehmen. Was für den einen wie perfekter 3D-Sound klingt, kann für den anderen flach und undifferenziert wirken.

Indem das System ein 3D-Modell Ihres Ohrs erstellt, kann es ein sogenanntes „Head-Related Transfer Function“ (HRTF)-Profil berechnen. Dieses Profil simuliert, wie der Klang von verschiedenen Richtungen auf Ihr persönliches Trommelfell treffen würde. Das Ergebnis ist ein deutlich immersiveres und präziseres Surround-Sound-Erlebnis, das speziell auf Ihre Anatomie zugeschnitten ist. Die Einzigartigkeit der Ohrform als biometrisches Merkmal ist erstaunlich hoch; Studien zeigen, dass die Ohrform eine Erkennungsgenauigkeit von 99,6% erreicht und damit fast so individuell wie ein Fingerabdruck ist.

Doch auch hier ist aus Datenschutz-Sicht Vorsicht geboten, da es sich um die Erfassung sensibler biometrischer Daten gemäß DSGVO handelt. Bevor Sie diese Funktion nutzen, sollten Sie einige Punkte überprüfen, um die Kontrolle über Ihre Daten zu behalten.

Ihr DSGVO-Aktionsplan für Audio-Personalisierung

  1. Speicherort prüfen: Kontrollieren Sie in den Datenschutzeinstellungen der App, ob die Ohrscan-Daten lokal auf dem Gerät oder in der Cloud des Herstellers gespeichert werden.
  2. Einwilligung kontrollieren: Aktivieren Sie die Funktion nur, wenn eine explizite und verständliche Einwilligung gemäß Art. 9 DSGVO für die Verarbeitung dieser besonderen Datenart eingeholt wird.
  3. Drittanbieter-Zugriff sperren: Deaktivieren Sie in den App-Berechtigungen die automatische Weitergabe von Daten an Drittanbieter für Werbe- oder Analysezwecke.
  4. Profile regelmäßig löschen: Löschen Sie nicht mehr benötigte biometrische Audio-Profile aktiv in den Einstellungen der jeweiligen Audio-App oder des Betriebssystems.

Indem Sie diese Schritte befolgen, können Sie die Vorteile der Technologie genießen, ohne die Hoheit über Ihre biometrischen Merkmale zu verlieren.

Cloud oder Lokal: Wo sind Ihre 50 Passwörter vor Hackern sicher?

Die Verwaltung Dutzender Passwörter ist eine Herausforderung. Hier konkurrieren zwei grundlegende Sicherheitsphilosophien: die lokale, gerätegebundene Biometrie und der Cloud-basierte Passwortmanager. Beide Ansätze haben Stärken und Schwächen, die man gegeneinander abwägen muss.

Die lokale Biometrie (Secure Enclave) bietet die kleinste Angriffsfläche. Da die Daten das Gerät nie verlassen, sind Remote-Angriffe über das Internet praktisch ausgeschlossen. Ein Angreifer benötigt physischen Zugriff auf Ihr Gerät und müsste dann immer noch die biometrische Sperre überwinden. Der Nachteil ist die fehlende Synchronisation. Jedes Gerät muss separat eingerichtet werden, und bei einem Geräteverlust sind die Anmeldedaten, die nur per Biometrie zugänglich waren, verloren.

Der Cloud-Passwortmanager (z.B. Bitwarden, 1Password) bietet hingegen maximalen Komfort. Alle Passwörter sind über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert und auf all Ihren Geräten synchron verfügbar. Die Angriffsfläche ist jedoch größer: Theoretisch könnten Server des Anbieters gehackt oder Sie Opfer eines Phishing-Angriffs auf Ihr Master-Passwort werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewertet die verschiedenen Ansätze und gibt klare Empfehlungen.

Der folgende Vergleich fasst die wichtigsten Sicherheitskriterien zusammen und zeigt die Einschätzung von Institutionen wie dem BSI.

Sicherheitsvergleich: Lokale Biometrie vs. Cloud-Passwortmanager
Kriterium Lokale Biometrie (Secure Enclave) Cloud-Passwortmanager
Angriffsfläche Nur physischer Zugriff möglich Remote-Angriffe möglich
Backup Keine Cloud-Sicherung der Biometrie Automatische Synchronisation
Geräteübergreifend Nein – gerätespezifisch Ja – alle Geräte synchron
BSI-Empfehlung Höchste Sicherheitsstufe Mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung empfohlen

Die optimale Sicherheitslösung, die auch von Experten empfohlen wird, ist eine Hybrid-Lösung. Sie kombinieren die Stärken beider Welten: Sie nutzen einen Cloud-basierten Passwortmanager mit starker Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, dessen Zugriff auf Ihrem Smartphone wiederum durch die lokale Biometrie (Face ID oder Fingerabdruck) geschützt ist. So müssen Sie Ihr komplexes Master-Passwort nur sehr selten eingeben, genießen aber im Alltag den schnellen biometrischen Zugriff und die geräteübergreifende Synchronisation. Diese Kombination bietet die Bequemlichkeit der Cloud mit der robusten Sicherheit der lokalen Authentifizierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sicherheit einer biometrischen Methode hängt primär von der Sensor-Hardware und der Software-Intelligenz (z.B. 3D-Tiefenmessung, Aufmerksamkeitsprüfung) ab, nicht vom Merkmal (Gesicht vs. Finger) allein.
  • Ihre biometrischen Daten müssen zu jeder Zeit verschlüsselt und ausschließlich lokal auf dem Gerät in einem gesicherten Bereich (Secure Enclave/TEE) gespeichert bleiben, um Datenschutz nach DSGVO-Standard zu gewährleisten.
  • Aus rechtlicher Sicht bietet in Deutschland ein komplexer PIN/Passwort einen höheren Schutz vor erzwungenem Zugriff durch Behörden als jedes biometrische Verfahren.

Sichern Sie Ihre digitale Identität: Wie erkennen Sie, ob Ihre Daten im Darknet gehandelt werden?

Selbst die beste biometrische Sperre schützt Sie nicht, wenn Ihre Anmeldedaten bei einem der unzähligen Datenlecks von Online-Diensten kompromittiert wurden. Biometrie sichert den Zugang zu Ihren Geräten und Passwortmanagern, aber die Passwörter selbst können immer noch in die falschen Hände geraten. Es ist daher entscheidend, proaktiv zu überwachen, ob Ihre E-Mail-Adressen und die damit verknüpften Passwörter im Darknet gehandelt werden.

Ein hervorragendes und vertrauenswürdiges Werkzeug hierfür ist der kostenlose „Identity Leak Checker“ des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Im Gegensatz zu vielen internationalen Diensten arbeitet das HPI DSGVO-konform und hat seinen Serverstandort in Deutschland. Sie geben Ihre E-Mail-Adresse ein, und der Dienst gleicht sie mit einer riesigen Datenbank bekannter Datenlecks ab. Bei einem Treffer erhalten Sie eine E-Mail mit der Information, bei welchem Dienst Ihre Daten kompromittiert wurden. So können Sie gezielt das Passwort für diesen und alle anderen Dienste, bei denen Sie es wiederverwendet haben, ändern.

Die Nutzung von Biometrie reduziert das Gesamtrisiko erheblich, da selbst wenn ein Passwort für einen Dienst gestohlen wird, der Zugang zu Ihrem zentralen Passwortmanager oder Ihrem Smartphone sicher bleibt. Der gestohlene „Schlüssel“ passt also nur noch zu einer einzigen „Tür“ und nicht mehr zum ganzen Haus. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, für jeden Dienst ein einzigartiges Passwort zu verwenden, was durch einen biometrisch gesicherten Passwortmanager erst praktikabel wird.

Für die Zukunft zeichnet sich bereits die nächste Stufe der digitalen Identitätssicherung ab. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht hier eine besonders starke Kombination: „Der Online-Ausweis (eID) in Verbindung mit dem Smartphone und dessen Biometrie stellt eine noch sicherere Stufe der digitalen Identität dar, die weit über traditionelle Passwörter oder sogar reine Biometrie hinausgeht“. Diese Zwei-Faktor-Authentifizierung (Besitz des Handys + biometrisches Merkmal) wird für behördliche und andere hochsichere Online-Vorgänge zum neuen Standard.

Die aktive Überwachung Ihrer digitalen Identität im Netz ist der letzte Baustein einer lückenlosen Sicherheitsstrategie.

Nachdem Sie nun die technologischen, rechtlichen und praktischen Unterschiede zwischen den biometrischen Verfahren kennen, besteht der nächste logische Schritt darin, Ihre eigenen Geräte zu auditieren. Überprüfen Sie Ihre Sicherheitseinstellungen, identifizieren Sie den verbauten Sensortyp und aktivieren Sie die höchstmöglichen Schutzmechanismen wie die Aufmerksamkeitsprüfung, um Ihre digitale Identität wirksam zu schützen.

Häufige Fragen zur Sicherheit von Gesichtsscan und Fingerabdruck

Funktioniert Face ID, wenn ich schlafe?

Nein, Face ID mit aktivierter Attention Awareness (Aufmerksamkeitsprüfung) erkennt, ob Ihre Augen geöffnet sind und Sie aktiv auf das Gerät schauen. Bei geschlossenen Augen wird das Gerät nicht entsperrt, was einen hohen Schutz gegen unbefugten Zugriff im Schlaf bietet.

Kann jemand meinen Finger nutzen, während ich bewusstlos bin?

Ja, das ist eine der größten Schwachstellen von Fingerabdrucksensoren. Sie können nicht unterscheiden, ob Sie bei Bewusstsein sind. Daher besteht hier ein höheres Risiko in Szenarien wie Ohnmacht oder bei Verabreichung von K.o.-Tropfen.

Wie schütze ich mich in Risikosituationen am besten?

Aktivieren Sie präventiv den Lockdown-Modus (Sperrzustand) Ihres Smartphones oder schalten Sie es komplett aus, wenn Sie sich in einer potenziell unsicheren Umgebung befinden (z.B. in überfüllten Clubs, bei Demonstrationen). Dies erzwingt die Eingabe des PINs oder Passworts und deaktiviert vorübergehend alle biometrischen Entsperrmethoden.

Geschrieben von Richter Dr. Jonas, Fachanwalt für IT-Recht und zertifizierter Datenschutzbeauftragter (TÜV) mit Spezialisierung auf mobile Sicherheit und DSGVO-Compliance. Er schützt digitale Identitäten und Unternehmensdaten vor Cyberkriminalität.