
Sprachassistenten wie Alexa sind ein wertvolles Werkzeug zur Alltagsunterstützung für Senioren, aber keine zuverlässige Notruflösung.
- Sie brillieren bei täglichen Routinen wie Medikamentenerinnerungen und der Überwindung von Barrieren.
- Ihre Zuverlässigkeit im Notfall ist durch Internet- und Stromabhängigkeit sowie fehlende Anbindung an Rettungsleitstellen stark eingeschränkt.
Empfehlung: Nutzen Sie Sprachassistenten als Teil eines größeren Unterstützungs-Ökosystems, aber ergänzen Sie dieses immer durch ein zertifiziertes Hausnotrufsystem für echte Sicherheit.
Der Wunsch, unseren älteren Angehörigen ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, ist für viele von uns eine Herzensangelegenheit. Die moderne Technik verspricht hier oft schnelle und einfache Lösungen. Insbesondere Sprachassistenten wie Amazons Alexa werden häufig als Allheilmittel beworben, das auf Zuruf nicht nur das Licht einschaltet, sondern im Ernstfall auch Hilfe holt. Diese Vorstellung ist verlockend, doch die Realität ist komplexer. Viele Anleitungen konzentrieren sich rein auf die Installation eines Notruf-Skills und erwecken damit einen trügerischen Eindruck von Sicherheit.
Doch was, wenn die wahre Stärke dieser Geräte nicht in dieser einen, potenziell unzuverlässigen Funktion liegt, sondern in ihrer Vielseitigkeit im Alltag? Statt Alexa als magischen Notrufknopf zu betrachten, sollten wir sie als das sehen, was sie wirklich ist: ein vielseitiges digitales Schweizer Taschenmesser für den Pflegealltag. Ihre wahre Kraft entfaltet sie bei der Bewältigung kleiner, alltäglicher Hürden – von der pünktlichen Medikamenteneinnahme bis zur Überwindung von Barrierefreiheit. Die entscheidende Aufgabe für uns als Angehörige ist es, die realistischen Möglichkeiten zu nutzen und gleichzeitig die kritischen Grenzen zu kennen und abzusichern.
Dieser Artikel führt Sie durch die wichtigsten Aspekte, um ein sicheres und nützliches Unterstützungsnetzwerk aufzubauen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Stärken von Sprachassistenten für den Alltag nutzen und wo Sie unbedingt auf professionelle, zertifizierte Systeme setzen müssen, um die Sicherheit Ihrer Liebsten zu gewährleisten.
Um Ihnen einen klaren Überblick zu verschaffen, haben wir die zentralen Themen in den folgenden Abschnitten für Sie aufbereitet. So können Sie gezielt die Informationen finden, die für Ihre individuelle Situation am relevantesten sind.
Inhalt: Sprachassistenten im Senioren-Alltag sicher und sinnvoll nutzen
- Wie smarte Lautsprecher helfen, die Medikamenteneinnahme nicht zu vergessen?
- Warum versteht Siri kein Bayerisch und wie trainieren Sie das System?
- VoiceOver oder TalkBack: Welches System navigiert besser durch komplexe Apps?
- Wie verhindern Sie, dass der Sprachassistent Katzenfutter bestellt, weil der TV läuft?
- Wie löschen Sie Audio-Aufnahmen automatisch, damit Amazon nicht „mitlernt“?
- Alexa oder Google: Wer versteht deutsche Dialekte und Befehle besser?
- Wie blinde Nutzer durch unterschiedliche Vibrationsmuster navigieren können?
- Matter-Standard erklärt: Können Sie jetzt endlich Apple- und Google-Geräte mischen?
Wie smarte Lautsprecher helfen, die Medikamenteneinnahme nicht zu vergessen?
Eine der größten praktischen Hilfen von Sprachassistenten im Alltag älterer Menschen ist die Unterstützung bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme. Vergessene oder falsch eingenommene Tabletten stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Smarte Lautsprecher können hier eine einfache, aber äußerst effektive Gedächtnisstütze sein. Statt eines einfachen Pieptons, wie bei einem Wecker, kann eine interaktive Erinnerung eingerichtet werden, die nicht nur an die Einnahme erinnert, sondern auch eine Bestätigung einfordert. Dies erhöht die Verbindlichkeit und gibt auch den Angehörigen mehr Sicherheit.
In den USA hat Amazon mit dem Feature „medication management“ bereits eine spezialisierte Funktion eingeführt. Wie die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet, ermöglicht diese es, Erinnerungen einzurichten und sogar Nachbestellungen zu verwalten. Auch wenn diese Funktion in Deutschland noch nicht vollumfänglich verfügbar ist, lassen sich ähnliche Ergebnisse mit den sogenannten „Routinen“ in der Alexa-App erzielen. Durch eine clevere Konfiguration kann Alexa nicht nur erinnern, sondern auch nachfragen, ob die Medikamente genommen wurden, und dies protokollieren.
Praxis-Anleitung: Interaktive Medikamentenerinnerung einrichten
- Öffnen Sie die Alexa-App und navigieren Sie im Menü zum Punkt „Routinen“.
- Erstellen Sie eine neue Routine, zum Beispiel mit dem Namen „Morgens-Medikamente“. Legen Sie als Auslöser eine feste Uhrzeit fest.
- Fügen Sie eine Aktion hinzu: Wählen Sie „Alexa sagt“ und geben Sie den Text ein, z.B. „Es ist Zeit für deine Herztablette. Bitte sage ‚Ja‘, wenn du sie genommen hast.“
- Aktivieren Sie direkt darunter die Option „Auf Antwort warten“. Dies stellt sicher, dass die Routine erst nach einer Bestätigung beendet wird.
- Stellen Sie die Wiederholung auf „Täglich“ ein und speichern Sie die Routine. Dies sorgt für eine verlässliche, tägliche Erinnerung.
Die Wirksamkeit solcher technischer Hilfsmittel wird auch durch Studien untermauert. Eine Pilotstudie der Charité mit der App MyTherapy konnte beispielsweise zeigen, dass die technologische Unterstützung die Medikamententreue bei Senioren signifikant steigert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert. Ein Sprachassistent kann diese Funktion noch niederschwelliger in den Alltag integrieren, da kein Smartphone zur Hand genommen werden muss. Eine solche Routine ist ein perfektes Beispiel, wie das „digitale Schweizer Taschenmesser“ ganz konkrete Alltags-Barrieren überwindet.
Warum versteht Siri kein Bayerisch und wie trainieren Sie das System?
Eine der größten Hürden für die Akzeptanz von Sprachassistenten bei der älteren Generation ist die Spracherkennung. Während die Systeme Hochdeutsch meist fehlerfrei verstehen, stoßen sie bei regionalen Dialekten schnell an ihre Grenzen. Ein freundliches „Mach’s Liacht o“ in Bayern oder ein „Mach’s Lischd an“ in Sachsen wird oft mit einem verwirrten „Das habe ich nicht verstanden“ quittiert. Diese Kommunikationsprobleme können zu Frustration führen und die betroffene Person davon abhalten, die eigentlich nützliche Technologie weiter zu verwenden.
Der Grund für dieses Problem liegt in den Trainingsdaten der künstlichen Intelligenz. Die Modelle werden primär mit standardisiertem Hochdeutsch trainiert. Dialekte mit eigener Satzmelodie, abweichender Grammatik und spezifischem Vokabular stellen für die Mikrofon-Arrays der Geräte eine enorme Herausforderung dar. Sie sind darauf optimiert, bekannte Sprachmuster aus dem Stimmengewirr herauszufiltern, aber ein starker Dialekt klingt für das System wie eine Fremdsprache.

Wie die folgende Übersicht zeigt, sind die Unterschiede zwischen den Dialekten und dem Hochdeutschen, das die KI erwartet, beträchtlich:
| Hochdeutsch | Bayerisch | Schwäbisch | Sächsisch |
|---|---|---|---|
| Schalte das Licht an | Mach’s Liacht o | Mach’s Licht a | Mach’s Lischd an |
| Stelle einen Timer | Stell an Timer ei | Stell en Timer | Stell’n Deimer |
| Wie wird das Wetter? | Wia werd’s Weda? | Wie isch’s Wedder? | Wie wird’s Wedder? |
Ein direktes „Training“ des Systems durch den Nutzer ist leider nur begrenzt möglich. Die Systeme lernen zwar kollektiv durch die Analyse von Millionen von anonymisierten Anfragen, aber das individuelle Training ist schwach ausgeprägt. Der beste Ansatz ist eine langsame Anpassung der eigenen Sprechweise. Man kann versuchen, Befehle etwas deutlicher und näher am Hochdeutschen zu formulieren, ohne dabei die natürliche Sprechweise komplett aufzugeben. Oft hilft es auch, alternative Befehle zu nutzen. Statt „Mach’s Liacht o“ könnte „Schalte das Licht im Wohnzimmer ein“ besser funktionieren, da die Struktur des Satzes standardisierter ist.
VoiceOver oder TalkBack: Welches System navigiert besser durch komplexe Apps?
Die Unterstützung im Alltag geht weit über reine Sprachbefehle hinaus. Für viele Senioren, insbesondere solche mit Seheinschränkungen, wird das Smartphone zum wichtigsten Fenster zur Welt. Hier kommen integrierte Bedienungshilfen wie VoiceOver (Apple iOS) und TalkBack (Google Android) ins Spiel. Diese „Screenreader“ lesen Bildschirminhalte vor und ermöglichen die Navigation durch Gesten, ohne dass der Bildschirm gesehen werden muss. Die Frage, welches System besser ist, hängt stark von der App-Landschaft und den individuellen Bedürfnissen ab.
Die Relevanz dieser Technologien ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Laut der aktuellen SIM-Studie 2024 nutzen mittlerweile 87 Prozent der Menschen ab 60 Jahren in Deutschland das Internet, und selbst bei den über 80-Jährigen ist die Nutzung auf 62 Prozent gestiegen. Diese Zahlen zeigen, dass die digitale Teilhabe keine Frage des Alters mehr ist, sondern eine Frage der Barrierefreiheit. Ein gut funktionierender Screenreader ist der Schlüssel zu dieser Teilhabe.
VoiceOver von Apple gilt gemeinhin als das reifere und konsistentere System. Da Apple sowohl die Hard- als auch die Software kontrolliert, sind die Bedienungshilfen tief im System verankert. App-Entwickler, die im App Store veröffentlichen wollen, werden stärker dazu angehalten, ihre Apps barrierefrei zu gestalten. Das Ergebnis ist, dass die Navigation in den meisten Apps mit VoiceOver flüssiger und vorhersehbarer funktioniert. Elemente sind korrekt beschriftet, und die Gestensteuerung ist systemweit einheitlich.
TalkBack von Google hat in den letzten Jahren stark aufgeholt, leidet aber unter der Fragmentierung des Android-Ökosystems. Die Erfahrung kann je nach Smartphone-Hersteller und App variieren. Während Kern-Apps von Google meist gut optimiert sind, ist die Qualität bei Apps von Drittanbietern oft durchwachsen. Falsch beschriftete Schaltflächen oder nicht erreichbare Menüpunkte sind hier häufiger anzutreffen. Allerdings bietet Android oft mehr Flexibilität bei der Anpassung von Einstellungen. Für technisch versierte Nutzer kann dies ein Vorteil sein.
Wie verhindern Sie, dass der Sprachassistent Katzenfutter bestellt, weil der TV läuft?
Ein häufiges und oft humorvoll dargestelltes Problem ist die unbeabsichtigte Aktivierung des Sprachassistenten. Ein Werbespot im Fernsehen, ein Gespräch im Raum oder sogar der Name eines Freundes („Alex“) kann ausreichen, um das Gerät aufwecken und im schlimmsten Fall eine Bestellung auslösen zu lassen. Für Senioren, die möglicherweise nicht sofort bemerken, was passiert, oder nicht wissen, wie sie den Vorgang stoppen können, stellt dies ein ernsthaftes Problem dar. Es untergräbt das Vertrauen in die Technologie und kann zu unerwünschten Kosten führen.
Die Ursache liegt in der Funktionsweise der „Always-on“-Mikrofone, die konstant auf das Aktivierungswort („Alexa“, „Hey Google“) lauschen. Fernsehwerbung wird von den Herstellern oft so gestaltet, dass diese Aktivierungswörter unhörbar oder gefiltert sind, aber das funktioniert nicht immer zuverlässig. Um dieses Risiko, das eine Form von Alltags-Barriere darstellt, zu minimieren, ist ein gezieltes Konfigurations-Finetuning unerlässlich. Die wichtigste Maßnahme ist die Absicherung von Einkäufen per Sprache.

Glücklicherweise bieten sowohl Amazon als auch Google einfache Möglichkeiten, diese Funktion zu kontrollieren. Sie können den Spracheinkauf entweder komplett deaktivieren oder, als gute Alternative, mit einem PIN-Code schützen. Letzteres bewahrt die Nützlichkeit der Funktion, verhindert aber versehentliche Käufe. Der Nutzer muss dann zum Abschluss des Kaufs einen vierstelligen Code laut aussprechen, was eine versehentliche Aktivierung durch den Fernseher praktisch unmöglich macht.
Checkliste: Spracheinkauf bei Alexa absichern
- Öffnen Sie die Alexa-App auf Ihrem Smartphone und gehen Sie unten rechts auf „Mehr“ und dann auf „Einstellungen“.
- Wählen Sie den Menüpunkt „Kontoeinstellungen“ und tippen Sie anschließend auf „Spracheinkauf“.
- Hier können Sie den Schalter „Spracheinkauf“ entweder komplett deaktivieren oder einen 4-stelligen Sprachcode einrichten. Wir empfehlen die Einrichtung eines Codes.
- Bestätigen Sie die Einrichtung des Codes, indem Sie Ihr Amazon-Passwort eingeben.
- Testen Sie die Funktion, indem Sie versuchen, einen Artikel per Sprache zu bestellen. Alexa sollte nun nach Ihrem Code fragen.
Eine weitere, simple Maßnahme ist die physische Platzierung des Geräts. Stellen Sie den smarten Lautsprecher nicht in unmittelbarer Nähe des Fernsehers auf. Eine größere Entfernung und eine andere Ausrichtung können bereits helfen, die Zahl der Fehlaktivierungen deutlich zu reduzieren. Detaillierte Informationen und weitere Tipps zur Absicherung bietet auch das Technik-Portal heise online in seinen Ratgebern.
Wie löschen Sie Audio-Aufnahmen automatisch, damit Amazon nicht „mitlernt“?
Das Thema Datenschutz ist eine der größten Sorgen bei der Nutzung von Sprachassistenten, insbesondere wenn es um ältere und potenziell verletzliche Personen geht. Jedes Mal, wenn Alexa oder Google Assistant aktiviert werden, wird eine kurze Audioaufnahme an die Server des Unternehmens gesendet, dort verarbeitet und standardmäßig gespeichert. Offiziell dient diese Speicherung der „Verbesserung des Dienstes“, was bedeutet, dass die KI von den Anfragen lernt. Für viele Nutzer ist der Gedanke, dass private Gespräche auf fremden Servern liegen, jedoch unangenehm.
Praxis-Einblick: Das Fraunhofer-Projekt „Digitale Nachbarn“
Wie wichtig die Anpassung an die Bedürfnisse von Senioren ist, zeigt das Modellprojekt „Digitale Nachbarn“ des Fraunhofer-Instituts. Hier wurden gezielt Alexa-Anwendungen entwickelt und von Senioren getestet. Das Ziel war nicht nur, technische Möglichkeiten auszuloten, sondern vor allem die Akzeptanz und das Vertrauen zu stärfen. Laut einer Zusammenfassung des Projekts war ein zentrales Ergebnis, dass die Technologie nur dann angenommen wird, wenn sie als sicherer und kontrollierbarer Teil des persönlichen Umfelds wahrgenommen wird. Die Kontrolle über die eigenen Daten ist dabei ein Schlüsselfaktor.
Glücklicherweise haben die Hersteller auf die öffentliche Kritik reagiert und bieten mittlerweile einfache Möglichkeiten, die Speicherung von Sprachaufnahmen zu kontrollieren. Sie müssen nicht mehr manuell einzelne Aufnahmen löschen, sondern können eine automatische Löschung einrichten. Dies ist eine entscheidende Einstellung, die jeder Angehörige bei der Einrichtung eines Geräts für Senioren vornehmen sollte.
Bei Amazon Alexa finden Sie diese Option in der App unter `Einstellungen > Alexa-Datenschutz > Meine Alexa-Daten verwalten`. Hier können Sie festlegen, dass Ihre Sprachaufnahmen automatisch nach 3 Monaten oder 18 Monaten gelöscht werden. Noch besser ist die Option „Sprachaufnahmen nicht speichern“. Wenn Sie diese wählen, werden alle Aufnahmen sofort nach der Verarbeitung gelöscht. Amazon weist zwar darauf hin, dass die Spracherkennung dadurch weniger personalisiert sein könnte, aber in der Praxis sind die Auswirkungen für die meisten Nutzer kaum spürbar. Die gewonnene Privatsphäre wiegt diesen potenziellen Nachteil bei weitem auf.
Bei Google Assistant finden Sie eine ähnliche Einstellung in den „Aktivitätseinstellungen“ Ihres Google-Kontos unter „Web- & App-Aktivitäten“. Auch hier können Sie einstellen, dass Audioaktivitäten nach einem bestimmten Zeitraum automatisch gelöscht werden. Die vollständige Deaktivierung der Speicherung ist hier ebenfalls möglich.
Alexa oder Google: Wer versteht deutsche Dialekte und Befehle besser?
Nachdem wir technische Hürden wie Dialekte bereits thematisiert haben, stellt sich für viele die entscheidende Frage: Welches System ist denn nun besser geeignet? Ein direkter Vergleich zwischen Amazon Alexa und Google Assistant zeigt, dass beide Systeme ihre Stärken und Schwächen haben, insbesondere im Kontext der Nutzung durch Senioren in Deutschland.
Generell gilt Google Assistant als der sprachlich versiertere und kontextuell intelligentere Assistent. Dank Googles enormer Datenbasis aus der Suchmaschine kann der Assistant oft komplexere, mehrstufige Fragen besser verstehen und beantworten. Wenn es um Wissensfragen geht („Wie hoch ist der Blutdruck normalerweise bei einem 80-Jährigen?“), liefert Google oft präzisere und relevantere Ergebnisse. Auch bei der Erkennung von leicht abweichenden Dialekten scheint Google einen leichten Vorteil zu haben, auch wenn beide Systeme bei starken Dialekten kapitulieren.
Amazon Alexa punktet hingegen mit einer breiteren Hardware-Unterstützung und einer größeren Verbreitung von „Skills“, also den Apps von Drittanbietern. Gerade im Smart-Home-Bereich ist die Auswahl an kompatiblen Geräten für Alexa oft größer. Für Senioren kann dies relevant sein, wenn es darum geht, Lampen, Heizkörperthermostate oder Türschlösser zu integrieren. Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist die Art der Interaktion. Eine interessante Beobachtung aus dem Fraunhofer-Projekt „Digitale Nachbarn“ war:
Die untersuchte Personen-Gruppe legte sehr viel Wert auf einen höflichen Umgang. Die Senioren befahlen Alexa also nichts, sie baten sie um etwas.
– Fraunhofer-Institut IESE, Studie Digitale Nachbarn
Diese Beobachtung ist wichtig, da die Formulierung „Alexa, könntest du bitte…“ von beiden Systemen verstanden wird, aber die direktere und oft kürzere Befehlsstruktur von Alexa für manche Nutzer intuitiver sein kann. Letztendlich ist die Wahl sehr individuell. Wenn der Fokus auf Wissensabruf und einem etwas natürlicheren Gesprächsfluss liegt, ist Google oft die bessere Wahl. Geht es primär um die Steuerung eines breiten Smart-Home-Ökosystems und eine maximale Kompatibilität, hat Alexa oft die Nase vorn.
Wie blinde Nutzer durch unterschiedliche Vibrationsmuster navigieren können?
Für Menschen mit starken Seheinschränkungen oder vollständiger Blindheit erschließt sich die digitale Welt auf eine andere Weise. Neben den bereits erwähnten Screenreadern wie VoiceOver und TalkBack spielen haptische Rückmeldungen – also spürbare Signale wie Vibrationen – eine entscheidende Rolle. Moderne Smartphones nutzen eine hochentwickelte „Taptic Engine“ (Apple) oder ähnliche Systeme, um nicht nur einfache Vibrationen, sondern ein breites Spektrum an differenzierten Vibrationsmustern zu erzeugen. Diese Muster dienen als non-visuelle Bestätigung für Aktionen und helfen bei der Orientierung auf dem Bildschirm.
Wenn ein blinder Nutzer beispielsweise mit VoiceOver durch eine App navigiert, gibt das Gerät bei jedem neuen Element (einem Button, einer Überschrift) ein kurzes, subtiles haptisches Feedback. Ein Doppeltipp zur Aktivierung eines Buttons wird mit einer stärkeren, bestätigenden Vibration quittiert. Das Erreichen des Endes einer Seite, das Öffnen eines Menüs oder eine Fehlermeldung – all diese Aktionen sind mit einzigartigen Vibrationsmustern verknüpft. Diese haptische Sprache ermöglicht eine deutlich schnellere und intuitivere Navigation, da der Nutzer nicht ausschließlich auf die Sprachausgabe angewiesen ist.
Die Kombination aus Sprachassistent und haptischem Feedback ist besonders stark. Ein Nutzer kann Alexa bitten, eine bestimmte App zu öffnen. Sobald die App gestartet ist, übernimmt der Nutzer die Steuerung über den Touchscreen, geleitet von der Sprachausgabe des Screenreaders und den spürbaren Vibrationen. Dies zeigt eindrücklich, wie das Unterstützungs-Ökosystem aus verschiedenen Technologien ineinandergreift. Das folgende Zeugnis macht deutlich, wie lebensverändernd diese Technologien sein können:
Meine Mutter ist 95 Jahre alt und nahezu blind. Und traurig, dass deshalb all die neuen Möglichkeiten, die Computer und Internet bieten, an ihr vorbei gehen. Wie gern hätte sie, die ihr Leben lang neugierig war und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, das noch selbst probiert! Deshalb habe ich sofort überlegt, ob Alexa, der mobile Sprachassistent von Amazon etwas für sie wäre. Also entschieden wir uns für einen Selbstversuch.
– Erfahrungsbericht auf seniorenfreundlich.de
Dieses Zitat unterstreicht den tiefen Wunsch nach Teilhabe. Für die Einrichtung bedeutet das: Aktivieren Sie in den Bedienungshilfen des Smartphones nicht nur den Screenreader, sondern stellen Sie auch sicher, dass die „System-Haptik“ oder „Vibration bei Berührung“ eingeschaltet ist. Es ist dieser multimodale Ansatz – Hören und Fühlen – der die digitale Barriere für blinde und sehbehinderte Menschen am effektivsten durchbricht.
Das Wichtigste in Kürze
- Alltagshelfer, kein Rettungsdienst: Nutzen Sie Sprachassistenten für Routinen wie Medikamentenerinnerungen, aber verlassen Sie sich für Notfälle niemals allein darauf.
- Konfiguration ist alles: Nehmen Sie sich Zeit für die Einrichtung. Sichern Sie Spracheinkäufe mit einem PIN und deaktivieren Sie die Speicherung von Sprachaufnahmen, um Privatsphäre und Kontrolle zu gewährleisten.
- Barrierefreiheit aktiv nutzen: Aktivieren Sie Bedienungshilfen wie VoiceOver/TalkBack und haptisches Feedback auf dem Smartphone, um ein umfassendes Unterstützungssystem zu schaffen.
Matter-Standard erklärt: Können Sie jetzt endlich Apple- und Google-Geräte mischen?
Ein Blick in die Zukunft des Smart Homes ist entscheidend, um heute die richtigen Kaufentscheidungen zu treffen. Lange Zeit war die Smart-Home-Welt ein Flickenteppich aus inkompatiblen Systemen. Eine Lampe, die mit Alexa funktionierte, ließ sich nicht mit dem Google Assistant steuern, und Apples HomeKit war ohnehin eine eigene Welt. Der neue Verbindungsstandard Matter soll dieses Chaos beenden. Matter ist quasi ein gemeinsamer „Dolmetscher“ für Smart-Home-Geräte. Wenn ein Gerät (z.B. eine smarte Steckdose) Matter-zertifiziert ist, kann es nahtlos mit allen großen Plattformen – Apple Home, Google Home und Amazon Alexa – gleichzeitig kommunizieren.
Für Senioren und ihre Angehörigen bedeutet das eine enorme Vereinfachung. Sie müssen sich nicht mehr auf ein einziges Ökosystem festlegen. Ein Senior kann ein iPhone (und damit Apples Bedienungshilfen) nutzen, während im Wohnzimmer ein Google Nest Hub mit seinem großen Display steht und im Schlafzimmer ein Echo Dot von Amazon als Wecker dient. Dank Matter können alle Geräte die gleiche smarte Lampe oder das gleiche smarte Heizkörperthermostat steuern. Dies erhöht die Flexibilität und Zukunftssicherheit des gesamten Systems.
Doch bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten der Vernetzung müssen wir zum Abschluss auf den wichtigsten Punkt zurückkommen: die Zuverlässigkeits-Lücke bei kritischen Anwendungen wie dem Notruf. So nützlich die Vernetzung auch ist, sie macht einen Konsumenten-Sprachassistenten nicht zu einem zertifizierten Sicherheitsprodukt. Wie die GIGA-Redaktion klarstellt: „Grundsätzlich kann Alexa also keinen klassischen Notruf über die 110 oder 112 absetzen.“ Der Grund ist, dass die Geräte nicht als offizielle Telekommunikationsmittel für Notrufe zugelassen sind und ihre Funktion von Strom und WLAN abhängt. Die folgende Tabelle verdeutlicht den fundamentalen Unterschied:
| Kriterium | Alexa mit Notruf-Skill | Zertifizierte Hausnotrufsysteme (DRK, Malteser etc.) |
|---|---|---|
| Kosten | Ca. 2,99-10 €/Monat (für den Skill) | Ca. 20-30 €/Monat (Kostenübernahme durch Pflegekasse möglich) |
| Reichweite | Nur in Rufweite des Echo-Geräts | Mobiler Sender (am Körper getragen), bis zu 150m Reichweite |
| Notrufzentrale | Kontaktiert nur private, vordefinierte Kontakte | 24/7 besetzte, professionelle Notrufzentrale |
| Zuverlässigkeit | Abhängig von funktionierendem Internet und Strom | Akkubetrieben, oft mit eigener SIM-Karte, unabhängig |
Diese Gegenüberstellung macht unmissverständlich klar: Ein Sprachassistent kann ein bestehendes Sicherheitsnetz ergänzen, es aber niemals ersetzen. Er ist ein wertvolles Werkzeug für den Alltag, für Komfort und für die soziale Teilhabe. Im Ernstfall, bei einem Sturz oder einem medizinischen Notfall, zählt jedoch nur die Zuverlässigkeit eines geprüften Systems.
Der Aufbau eines sicheren und unterstützenden Zuhauses für Ihre Angehörigen ist ein Prozess. Betrachten Sie die Technologie als das, was sie ist: ein mächtiger Verbündeter für den Alltag. Nutzen Sie ihre Stärken für mehr Lebensqualität, aber sichern Sie die wirklich kritischen Momente mit professionellen und erprobten Lösungen ab. Der nächste logische Schritt besteht darin, das passende, zertifizierte Hausnotrufsystem zu evaluieren, das sich nahtlos in das von Ihnen geschaffene technologische Umfeld einfügt.